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"FAZ"

 

ein Bericht von

Jürgen Dollase

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

02.11.2003 - Frankfurter Allgemeine (Sonntags)-Zeitung - "FAZ"

Reif fürs Land

Mit "Rungis-Express" hat Karl Heinz Wolf einst die deutsche Gastronomie beliefert. Jetzt erzeugt er Fleisch von Spitzenqualität.

VON JÜRGEN DOLLASE

Das gute Produkt steht am Anfang jeder guten Küche, ob zu Hause oder im Restaurant. Das sagen alle, das glauben alle - aber trotzdem richtet sich kaum jemand danach. 83 Prozent der Deutschen bevorzugen laut einer aktuellen Infratest-Umfrage Eier aus Freilandhaltung, aber zu deren Kauf entschließen sich nur karge 26 Prozent. Und jene Köche, die wirklich ausschließlich die besten Produkte verwenden, kann man ohnehin an zwei Händen abzählen. Warum setzt die deutsche Spitzengastronomie nicht konsequent auf heimische Spitzenprodukte, während gleichzeitig Frankreich als einziger Hort von qualitativ hochwertigen Lebensmitteln gilt?

Ganz einfach: Weil durch die "Nouvelle Cuisine" auf einmal hochwertige Grundprodukte im Mittelpunkt des Interesses standen, die möglichst schonend und unter Wahrung des Eigengeschmacks verarbeitet werden sollten. Das ist mittelerweile 30 Jahre her, doch anstatt zügig und konsequent eigene Quellen in Deutschland aufzubauen, hing die deutsche Spitzenküche schnell am Tropf der französischen Lieferanten - woran sich im Grunde bis heute nichts geändert hat. So gab es Köche, denen kein Aufwand zu groß und kein Preis zu hoch waren, um an die begehrten französischen Spitzenprodukte zu gelangen. Was leider zur Folge hatte, daß Deutschland bis heute unter einem Verlust an kulinarischer Identität leidet. Ohnehin kann die steigende Nachfrage durch eine erheblich ausgeweitete Qualitätsgastronomie kaum noch befriedigt werden: So viele Spitzenprodukte gibt es nämlich überhaupt nicht. Statt dessen werden etwa lebende Hummer aus Kanada in die Bretagne geflogen, damit sie sich nach einem kurzen Bad im örtllichen Meerwasser "bretonische Hummer" nennen dürfen ...

Österreich, am Attersee unweit von Salzburg. Hier befindet sich Karl Heinz Wolfs "Land Art", ein im Prinzip bäuerlicher Betrieb, der sich konsequent der Herstellung von Spitzenprodukten verschrieben hat. "Es muß noch etwas Besseres geben als Rungis-Express", war Wolfs Leitmotiv für "Land Art", und er muß es wissen: 1978 hatte er selbst dieses überaus schnell wachsende Unternehmen gegründet, das einen Großteil der gehobenen deutschen Gastronomie mit Naturalien beliefert und nach dem Pariser Großmarkt Rungis benannt ist, woher auch heute noch viele der Produkte stammen. 1986 verkaufte Wolf den Betrieb an die Kaufhof-Gruppe, um fortan seine Vorstellungen von Qualität auf die Spitze treiben zu können. Und das bedeutet für Wolf vor allem eines: Geschmack.

Bei "Land Art" stammt etwa das Rind- und Schweinefleisch von Tieren, die deutlich älter sind, als es normalerweise der Fall ist - und die zu eigens gezüchteten Rassen gehören, die jeweils eine speziell auf sie ausgerichtete Aufzucht und Fütterung genießen. Das "Egelseer Waldschwein" beispielsweise (ein Phantasiename für die Kreuzung zweier alter Rassen, dem Manglitzer Schwein und dem Schwäbisch-Hällischen Schwein) erreicht ein Schlachtalter von zwölf Monaten - in normalen Mastbetrieben sind es gerade mal vier Monate. Die Konsequenz: Das Schwein wächst langsamer und erzielt so neben einem höheren Fettanteil auch ein klarer von Fett durchzogenes und somit saftigeres Fleisch. Was das unter kulinarischen Gesichtspunkten bedeutet, kann man etwa bei Joachim Wissler im "Vendome" in Bensberg studieren: Das dort servierte Schweinefleisch verfügt über ein unvergleichlich zart-würziges Aroma, ist schmelzend weich und hat außerdem eine höchst delikate Fettschicht. Wer je Vorurteile gegenüber Schweinefleisch gehegt hat - in diesem Fall kann man sie getrost vergessen.

Auch das Rindfleisch hat nichts mit gewönlicher Ware gemein: Wolf kauft dafür zwölf Monate alte Galloway-Bullen und läßt sie weitere zwei Jahre bei systematischer Fütterung und viel Auslauf heranwachsen. Nach einer sechsmonatigen Schlußmast erhält man ein Rindfleisch mit deutlicher Fettmarmorierung und von außerordentlich würzigem und sehr charakteristischem Geschmack, "Atterochse" genannt. Für ein solches Produkt muß nicht geworben werden, diese Qualität spricht für sich selbst - könnte man glauben. Weit gefehlt: Ausgerechnet in den besten Küchen hat sich beim Umgang mit Rindfleisch eine Marotte eingebürgert, die mit "richtigem" Braten kaum noch etwas zu tun hat. "Die Leute wollen das Fleisch zart - und sonst nichts", sagt Drei-Sterne-Koch Heinz Winkler. Also am besten von ganz jungen Tieren, butterweich und praktisch ohne klaren Eigengeschmack.

Geht uns also der Sinn für den Geschmack von Fleisch verloren, weil wir einem kulinarisch eher sinnlosen Zartheitskult verfallen sind - oder weil wir wegen der Dominanz geschmacksarmer Industrieprodukte gar nicht mehr wissen, wie Fleisch überhaupt schmecken kann? Wolf jedenfalls ist davon überzeugt, doch er erinnert auch daran, daß Zartheit und intensiver Geschmack einander nicht ausschließen müssen. Denn wenn das Grundprodukt optimal gereift ist, wird auch das langsam gewachsene, aromaintensive Fleisch des Atterochsen butterweich.

Wenn also der Hobbykoch zu Hause mal wieder über seinen Braten klagt, kann es gut sein, daß nicht der ominöse "Wasserverlust" (ein Sechstel an Flüssigkeit verliert ohnehin jeder Braten) der Grund für zähes Fleisch ist, sondern mangelnde Reifung und Qualität. Nur zum Vergleich: Viele Metzger haben etwa zehn bis zwölf Tage gereiftes Fleisch im Angebot. Um diese Qualität zart zu bekommen, muß man Filet oder ähnliche Stücke kaufen. Will man aber die geschmacklich besten Teile verwenden (also zum Beispiel Hüfte, Oberschale oder Zwischenrippenstück), ist eine bessere Reifung erforderlich. Das sagen übrigens auch die Spitzenköche - und zwar unabhängig davon, ob sie selbst solches Fleisch verwenden oder nicht. Wolf jedenfalls liefert sein Ochsenfleisch nach einer Reifezeit von etwa dreineinhalb Wochen aus und empfliehlt eine weitere Reifung von gut und gerne ein bis zwei Wochen bei null Grad im Kühlschrank.

Schwein und Ochse sind natürlich nur zwei Beispiele für das Prinzip einer konsequent geschmacksorientierten Aufzucht und Verarbeitung der Tiere, bei der vor allem eines deutlich wird: Echte Spitzenprodukte können keine Massenware sein, beide Begriffe schließen einander aus. Die so oft von der Nahrungsmittelindustrie als "Rückkehr in die Steinzeit" beschreibene bäuerliche Produktionsweise wird also auch in Zukunft immer etwas Besonders bleiben - so wie der gute Braten nie ein Alltagsessen war, sondern Festmahl für Sonn- und Feiertage. Nennen wir die Betriebe wie "Land Art" vielleicht besser kulinarische Manufakturen - das klingt nach Sorgfalt, nach Liebe zum Detail und nach optimiertem handwerlichem Wissen.

Natürlich gibt es bei Wolf auch Enten und Gänse, Lamm- und Ziegenfleisch, Wild in der Saison, Konfitüren, Schinken und Würste zu bestellen. Alles nichts Besonderes - eigentlich. Aber die Faszination beginnt schon beim gewöhnlichen Produkt, das ein Bauernhof überhaupt hervorbringen kann: dem Hühnerei. Weil Wolf "einfach mal wieder ein richtiges Ei" essen wollte, hat er eine Hühnerrasse gezüchtet, die ihm besonders geeignet erschien. Und die legt Eier, wie man sie so intensiv noch nich gekostet hat. Das Ei des Kolumbus - am Attersee.


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

„Anläßlich unseres Besuches bei Carlo Wolf in Steinbach wurde uns nicht nur die Philosohie ‚LandArt‘ wirklich bewußt gemacht, sondern wir wurden auch von der daraus resultierenden, hervorragenden Qualität der Produkte überzeugt. Nun haben wir gemeinsam beschlossen, diese hochwertigen Produkte im Österreichischen Hof einzuführen.“  ÖH-Direktorin Elfi Kammerhofer
   
„ ..Essen und Trinken als u nteilbare Wollust des Leibes und der Seele.. “
„Geschmack läßt sich mit Worten nur unzulänglich beschreiben, aber jeder Koch weiß sofort Bescheid, wenn sich der Schweinsbraten in der Pfanne nicht kränkelnd zusammenzieht, sondern praller wird, und der Tafelspitz während des Garens appetitlich anschwillt. Die weichgekochten Eier schmecken ohne Salz, der Speck hat rosige Wangen, Poularden und Enten haben ein dichteres Aroma als ihre Verwandten aus der Bresse.“ August F. Winkler, essen&trinken
 
   
„In der ersten Rindfleisch-Liga gibt's glücklicherweise einige Anbieter, ‚LandArt‘ gehört zu den besten. Aber in der Luxus-Klasse für Schweine, da spielt der Bauer vom Attersee ganz alleine. Das Filet war innen fast noch blutig, mürbe wie Kalbfeisch und zeigte doch ein unverwechselbar würziges Aroma. Eine ringelschwänzige Sensation. So ist Schwein kein Fleisch zweiter Güte mehr.“ Der Vorkoster, Salzburger Fenster
     
  „Die Firma LandArt ist eine der ganz wenigen Adressen, die so gute Produkte auf ihrem Landbetrieb produziert, daß ich sie voller Überzeugung empfehlen möchte.“
     
„Produkt der Woche: Die Gamssalami
Wer glaubt, die Herstellung von Wurst sei erstens einfach und zweitens eh nur eine Resteverwertung auf lebensmitteltechnischem Niveau, der irrt. Zumindest, wenn es sich um die Premium-Salami der Atterseer Gourmandisen-Manufaktur ‚LandArt‘ handelt: Eines der Geheimnisse dieser delikat-wildwürzigen „Gamssalami“ liege in der frischen Verarbeitung, verrät der Wurst-Verantwortliche Alois Allinger. Also Donnerstag Schlachtung, Freitag Verwurstung. Im Gegensatz zu industriellen Herstellern kommen in die 7500 LandArt-Gamswürste keinerlei chemischen Starter und andere Hilfsmittel rein, pingelige Kontrolle der Temperatur und des Gamsfleisch-Anteils reichen. Das übrigens vom Feinsten sein muß, denn ‚Scheiß dürfen's da keinen reinschmeißen, mit Wadeln geht da nichts, nur die schönen Sachen kommen in die Wurst!‘ Außerdem reiner Rückenspeck vom Egelseer Waldschwein, frischer Knoblauch, Koriander, Thymian, Muskat, Kardamom und Rosmarin. Und in den Handel gelangt der gefüllte Naturdarm (vom Pferd) nicht vor einer Abtrocknung von 30-35 Prozent, was so fünf bis sechs Monate dauert. Ebenfalls im Programm ist eine reine Schweinesalami von unwiderstehlichem Aroma, an einer Rindersalami vom Atterochs wird gerade gefeilt.“ Rondo, 2.7.99

„Das absolute Luxusei sowie das absolute Luxushuhn aber kommen vom Gourmet-Bauernhof ‚LandArt': Wie auch der ‚Atterochse‘, für den sich der Rungis-Express-Erfinder und seit ein paar Jahren Wahlösterreicher Karl-Heinz Wolf die Kälber aus Schottland bringen läßt, stammt der ‚Atterhahn‘ aus bester Familie - aus der Bresse nämlich. Die Eier werden bei einem kleinen Geflügelzüchter in unmittelbarer Nähe von Wolfs Landsitz am Attersee ausgebrütet und danach zum Bauernhof transportiert. Mit einer Woche beziehen die Austro-Bresse-Hühner dann ihr Quartier, die Wiesen rund um das Holzberggut, in die zur Freude der Vögel wie ihrer späteren Genießer Petersilie eingestreut wird; außerdem stehen hier dicht aneinander alte Zwetschkenbäume. Es gibt Misthaufen, in denen sich die Atterhennen und -hähne mit saftigen Regenwürmern versorgen; darüber hinaus kommen sie in den luxuriösen Genuß des ‚LandArt‘-Magertopfens. Zwischen 80 und 100 der auf diese Art von Tag zu Tag edler werdenden Tiere scharren da herum, bis sie ein Gewicht von zweieinhalb Kilo erreicht haben. ‚Je länger, desto besser‘, bringt es Meisterkoch und Produktionschef Alois Allinger auf den Punkt, ‚je langsamer sie wachsen, desto aromatischer ist ihr Fleisch.‘
Tatsächlich weisen die Hendln nicht nur einen ausgeprägten und idealtypisch-köstlichen Hühnergeschmack auf, ihr Fleisch bestitzt auch eine gewisse Kernigkeit, wie man sie beim gemeinen Supermarkthuhn lange wird suchen können. Die schmackhaften Vögel gibt es auch als etwas jüngere Poularden, als Stubenküken, die schon etwas früher mit kräftigerem Futter versorgt werden - und um die Weihnachtszeit als Festtagskapaun mit einem Alter von acht Monaten und einem Schlachtgewicht von dreieinhalb Kilo. Und als Ei: 28 Legehennen tun auf dem Holzberggut ihr Werk, und‚ je nachdem, wie die Damen drauf sind, gibt's zwischen 40 und 60 Eier pro Woche.‘ Die gehen zur Hälfte in die Produktion, zur anderen Hälfte um 6 Schilling pro Stück in den versand, wo sie unter den ‚LandArt‘-Fans absoluten Kultstatus genießen.“  Florian Holzer, a la carte

„ ..besser als alles Dagewesene.. “  Oberösterreichische Rundschau

www.weinart.at